"Ich bin mein eigener Herr, kann mir die Arbeit einteilen und liebe es, in der freien Natur unterwegs zu sein", erklärt Peter, warum er gern Saltner ist. Unterwegs ist er schon seit dem frühen Morgen. Seine groben Wanderschuhe hinterlassen Spuren im taufrischen Gras, als er sich auf die Suche nach einer Gruppe von Kälbern macht, die er am Vortag aus den Augen verloren hat. Durchs Fernrohr entdeckt er schließlich ein geflecktes Kalb und ist erst einmal beruhigt: "Viele Tiere schließen schnell Freundschaft, stecken immer zusammen – und wenn ich dann eines von der Gruppe sehe, weiß ich, dass auch die anderen nicht weit entfernt sind." Das erleichtert ihm die Arbeit, denn jeden tag muss er sich vergewissern, ob ja alle Tiere vollzählig da sind, sich keines verletzt oder eine Krankheit hat. Kenne tut er sie alle, "weil keine Kuh ausschaut wie die andere", und er weiß auch genau, welches Vieh welchem Bauer gehört. Die Merkmale hat er sich schon eingeprägt, als die Tiere bei ihm ankamen, und außerdem haben sie alle eingeschorene Nummern auf dem Hinterteil. Das ist wichtig, erklärt Peter, denn wenn ein Tier ernsthaft krank oder verletzt ist, muss er dem Besitzer ehestens Bescheid sagen. Dann wird entweder der Tierarzt gerufen oder der Bauer holt das betroffene Tier heim auf den Hof.

Oft ist er viele Stunden unterwegs, denn die Weidegründe des ihm anvertrauten Viehs – "Ochsenwald" genannt, weil früher nur Ochsen aufgetrieben wurden – erstreckt sich über eine Fläche von gut 150 Hektar. Sie sind Eigentum der Gemeinde Kastelruth. Hier gilt heute noch die strenge Almordnung, die von Kaiserin Maria Theresia eingeführt wurde. Von den mehr als 500 Bauern der Gemeinde Kastelruth und Umgebung, die einst von ihrem Recht auf die Nutzung der Gemeindealm Gebrauch machten, stellen heute noch etwa 150 einen Antrag ans Almkomitee. Fünf Bauern entscheiden dann nach genau festgesetzten Kriterien, wer wie viel "Galtvieh" zum Saltner bringen kann, von denen es zwei auf der Alm gibt.
Peter Sattler findet diese Vorgangsweise nach wie vor gut. "So wird verhindert, dass zu viel Vieh aufgetrieben wird und den empfindlichen Almboden zertrampelt", erklärt er.

Gastwirtschaft und Viehhüten. Die Sonne steigt höher, und Peter kommt vom Rundgang zurück. So nebenbei hat er auch Salz ausgebracht, die Zäume kontrolliert und die Gatter instand gesetzt, die die Pferde immer wieder zerbeißen. "Alles gesund und munter", kommentiert er zufrieden und lässt sich, den Hund zu seinen Füßen, an einem Tisch vor der Saltnerhütte zu seiner Brotzeit nieder.