KunstImDorf - SPAZIO AUREO
Ausstellungen/Kunst
Spazio Aureo ist ein ortsspezifisches Kunstprojekt von Julia Bornefeld im Auftrag des Tourismusvereines Seis am Schlern, kuratiert von Eva von Ingram Harpf, das den öffentlichen Raum des Dorfes vom 23. Mai bis 18. Oktober 2026 in eine zusammenhängende künstlerische Installation verwandelt.
Die Arte Povera stellte in den 1960er Jahren einfache, „arme“ Materialien und deren Veränderung in den Mittelpunkt, um Kunst wieder stärker mit Leben, Zeit und Erfahrung zu verbinden. An diese Grundidee knüpft Julia Bornefeld seit Jahren in ihrer zeitgenössischen Praxis an und erweitert sie um eine eigene, atmosphärische und partizipative Dimension.
So auch in ihrem Projekt Spazio Aureo in Seis am Schlern wo die Künstlerin alte, gesammelte Möbel aus dem privaten Kontext in den öffentlichen Raum bringt. Die Objekte, die Spuren von Nutzung und Erinnerung in sich tragen, werden golden lackiert und dadurch transformiert. Das Gold verleiht ihnen eine neue, fast sakrale Präsenz, ohne ihre Geschichte zu überdecken. Zugleich erhalten einige Möbel künstlerische Eingriffe, durch die sie eine eigene poetische Qualität entwickeln und zu erzählerischen Objekten werden.
Darüber hinaus erinnern die Möbel an die Geschichte der Herbergskultur des Ortes Seis, in der Gastfreundschaft, gemeinsames Verweilen und temporäres Ankommen eine wichtige Rolle spielen. Diese historische Dimension verbindet sich mit der Gegenwart, indem die Objekte im öffentlichen Raum erneut zu Orten des Innehaltens und der Begegnung werden.
Die Installation lädt Einheimische wie Besucher dazu ein, zu verweilen, die Möbel zu nutzen, zu verschieben. Dadurch entstehen im Ort neue soziale Räume, die sich durch die Nutzung ständig verändern. Begegnung, Erinnerung und Gegenwart verbinden sich und werden Teil des Kunstwerks selbst.
Diese Objekte werden nicht nur platziert, sondern teils künstlerisch bearbeitet und verfremdet, sodass sie einen surrealen, fast traumartigen Charakter erhalten.
Der Titel Spazio Aureo - „goldener Raum“ - beschreibt diesen Ansatz präzise: Der gesamte Ort wird durch die goldenen, verfremdeten Alltagsobjekte zu einem poetisch aufgeladenen Raum, in dem Realität, Erinnerung und Traum ineinander übergehen.